Drei Schritte zur persönlichen Resilienz

Zivilschutz

Eine Handlungshilfe für alle THW-Angehörigen und ihr privates Umfeld.
Für ein starkes THW in einem geänderten sicherheitspolitischen Umfeld.

HANDELN TUT GUT!

Wer aktiv sein Leben gestalten kann, fühlt sich wohler.

Als THW-Einsatzkraft ist es für dich selbstverständlich, dich in Ausbildungen und Übungen auf besondere Situationen vorzubereiten und Abläufe zu trainieren um in herausfordernden Situationen handlungssicher zu agieren. Diese Handlungshilfe liefert dir Impulse, nun auch deine persönliche Vorsorge zu überprüfen und mögliche Lücken zu schließen. 

Damit stärkst du aktiv deine persönliche Resilienz. Denn Handeln tut gut! Wer aktiv sein Leben gestalten kann, fühlt sich wohler. Grund dafür ist die Selbstwirksamkeit, also das Wissen, dass man viele Situationen aus eigener Kraft meistern kann. Wenn dein Erste-Hilfe-Kurs länger zurückliegt, frische jetzt deine Kenntnisse auf!


ZIVILSCHUTZ IM THW

Drei Schritte zur persönlichen Resilienz in Notsituationen

Im THW ist es unser Alltag, auf Katastrophen und  Notlagen vorbereitet zu sein. Aber wie sieht es mit deiner persönlichen Vorsorgeplanung für Notsituationen aus? Nutze diese Handlungshilfe und überprüfe deine private Vorbereitung, damit du auch in Ausnahmesituationen den Kopf frei hast für deinen wertvollen und unverzichtbaren Dienst im THW. Ob ehrenamtlich oder hauptamtlich, egal wo auch immer du gebrauchst wirst, ohne dich geht es nicht!


Bereite dich und deine Angehörigen darauf vor, zu Hause mehrere Tage (optimal 10 Tage) ohne fremde Hilfe auszukommen!


Vorräte

  • Getränke (1,5 Liter pro Tag/Person)
  • Wasserbedarf zum Kochen (0,5 Liter pro Tag/Person)
  • Lebensmittelvorrat

Tipps

  • Bevorrate Lebensmittel und Getränke, die auch normalerweise gegessen werden.
  • Plane optimale Nährstoffversorgung dank verschiedener Nahrungsmittelgruppen wie Getreide, Kartoffeln, Nudeln, Reis, Obst, Nüsse, Milch, Milchprodukte, Fisch, Fleisch, Eier, Fette, Öle, Brotaufstriche, Kekse.
  • Denke an Spezialkost für Babys, bei Allergien, Lebensmittelunverträglichkeiten und Krankheiten.
  • Haustiernahrung nicht vergessen.
  • Integriere den Notvorrat in den Küchenalltag, konsumiere und ersetze regelmäßig.
  • Kühl, trocken und lichtgeschützt lagern. Achte auch auf luftdichte Verpackungen; Konserven sind ideal.
  • Tiefkühllebensmittel sind auch Notvorrat.
  • Auch sofort konsumierbare Produkte, die ohne Kochen genießbar sind, gehören in den Vorrat.

Energieausfall

  • Kerzen, Taschenlampen, Camping- oder Outdoor-Lampen, LED-Leuchten, Ersatzbatterien, Streichhölzer bzw. Feuerzeuge vorhalten. Brandgefahren beachten.
  • Elektronische Geräte und Kommunikationsmittel, Ersatzakkus und Powerbanks immer aufladen.
  • Eventuell kleines Stromaggregat (Heimwerkerbereich) oder Powerstation (Campingbedarf) vorhalten.
  • Fahrzeuge möglichst vollgetankt bzw. ausreichend geladen abstellen.
  • Vorrat an Kohle, Briketts oder Holz vorhalten falls (Kamin)Ofen vorhanden.
  • Alternative Kochmöglichkeiten nicht vergessen.
  • Campingkocher, Holz-, Gas- oder Kohlegrill, feuerfeste Töpfe für Verwendung im Freien über offenem Feuer.
  • Nur im Freien grillen. Erstickungsgefahr!
  • Tiefkühllebensmittel zuerst aufbrauchen.
  • Bargeldreserve einplanen (Ausfall Geldautomaten).

Notfallapotheke

  • Persönliche Medikamente
  • Erkältungsmittel
  • Schmerz- und fiebersenkende Mittel
  • Mittel gegen Durchfall, Übelkeit, Erbrechen
  • Mittel gegen Insektenstiche und Sonnenbrand
  • Elektrolyte zum Ausgleich bei Durchfallerkrankungen
  • Fieberthermometer
  • Splitterpinzette
  • Wunddesinfektionsmittel
  • Verbandsmaterial analog zum Autoverbandskasten

Tipps

  • Berücksichtige bei der Hausapotheke die Bedürfnisse aller Mitbewohnenden.
  • Bevorrate Medikamente, die du regelmäßig einnehmen musst, nach ärztlicher Rücksprache.
  • Bewahre die Hausapotheke kindersicher auf.
  • Medikamente kühl und trocken aufbewahren.
  • Verfallsdaten der Medikamente beachten.

Wasservorrat und Hygiene

  • Ist der Ausfall angekündigt, Wasser in geeigneten Behältnissen sammeln (Badewannen, Kanister etc.); auch an Wasser für die Toilettenspülung denken.
  • Mit Wasser sparsam umgehen.
  • Einweggeschirr und -besteck verwenden.
  • Wasser eventuell länger haltbar machen mit Entkeimungsmitteln (z. B. Tabletten).
  • Campingtoilette mit Ersatzflüssigkeit oder Not-Toilette (Müllsäcke) vorhalten.
  • Seife, Waschmittel, Zahnpasta, Feuchttücher, Toilettenpapier, Küchenrolle und Müllbeutel bevorraten.
  • Haushaltshandschuhe bzw. Händedesinfektionsmittel verwenden.

Bereite dich und deine Angehörigen darauf vor, kurzfristig dein Zuhause zu verlassen!


Wichtige Dokumente

Hast du deine persönlichen Angelegenheiten geregelt und wichtige Dokumente so abgelegt und gelagert, dass sie im Falle einer Evakuierung griffbereit sind?

  • Geburtsurkunden, Stammbuch, Personalausweise, Reisepässe
  • Krankenversicherungsnachweise, Versicherungsunterlagen, Einkommensbescheinigungen
  • Qualifizierungsnachweise und Zeugnisse
  • Wichtige Verträge und Bescheide
  • Führerscheine, Fahrzeugpapiere
  • Grundbuchauszüge und Finanzunterlagen
  • Patientenverfügung, Betreuungsverfügung, Vorsorgevollmacht, Testament

Zu den Verfügungen findest du Formulare und weiterführende Informationen auf der Internetseite des Bundesministeriums für Justiz unter 🔗www.bmj.de

Tipps

  • Denke frühzeitig darüber nach, welche Dokumente für dich und deine Angehörigen wichtig sind.
  • Hinterlege Duplikate oder beglaubigte Kopien wichtiger Dokumente bei Freunden, Verwandten, Notaren, Anwälten, Banken.
  • Stelle alle Dokumente zusammen und bewahre diese an einem Ort griffbereit in einer Tasche auf.
  • Für den Notfall sollten alle deine Angehörigen über den Standort der Tasche Bescheid wissen.

Notfallrucksack

Was musst du unbedingt mitnehmen, wenn du dein Zuhause schnell verlassen musst? Hast du diese Dinge innerhalb kurzer Zeit gepackt? Die Übersicht liefert Anhaltspunkte, passe sie auf die individuellen Bedürfnisse an und vervollständige sie.

  • Wichtige Dokumente bzw. Dokumententasche
  • Smartphone, aufgeladene Powerbank, Bargeld
  • Batteriebetriebenes Radio mit Reservebatterien
  • Erste-Hilfe-Material, persönliche Medikamente, Hygieneartikel
  • Verpflegung (Sonderbedarfe wie beispielsweise Babynahrung und Tierfutter nicht vergessen)
  • Taschenmesser, Dosenöffner, Essgeschirr, Besteck, Becher
  • Wechselkleidung, Schlafsack, Taschenlampe
  • Für kleinere Kinder: Brustbeutel oder SOS-Kapsel mit Namen, Geburtsdatum und Anschrift

Zuhause verlassen

Im Notfall muss rasch gehandelt werden. Trotzdem sollte genug Zeit bleiben, ein paar Vorkehrungen zu treffen bevor du dein Zuhause verlässt. Kennst du sie?

  • Befolge die Anweisungen der Behörden (Radio, Apps etc.).
  • Packe deinen Notfallrucksack mit Hilfe deiner persönlichen Packliste und kümmere dich um hilfsbedürftige Menschen in deinem Umfeld.
  • Schließe Fenster und Türen und schalte elektrische Geräte aus.
  • Drehe Gasleitungen zu und lösche offene Feuer (Kamine, Kerzen).
  • Informiere andere Hausbewohnerinnen und -bewohner und leiste bei Bedarf Unterstützung.
  • Stelle Futter und Wasser für Haustiere bereit, die du nicht mitnimmst.

Tipps

Sprich nach Möglichkeit im Vorfeld mit hilfsbedürftigen Personen aus deinem Umfeld (z. B. mit älteren Personen, Personen mit einer Krankheit oder Behinderung) über deren Bedürfnisse im Notfall. Falls Angehörige weiter entfernt wohnen und zu erwarten ist, dass sich sie nicht selber helfen können, plane und organisiere Unterstützung durch Dritte.


Vernetze und informiere dich, damit du immer auf dem aktuellsten Stand bist und schnell reagieren kannst!


Telefonnummern und Passwörter

Notiere alle wichtigen Telefonnummern von Familienmitgliedern und Betreuungspersonen, Schulen, Kindergärten, Arbeitgebern, der Nachbarschaft, pflegebedürftigen Personen.

Notiere auch wichtige Passwörter, PINs und Zugangsdaten für zentrale Online-Konten, -Logins, wie E-Mail, Cloud-Dienste, Online-Banking, Mobilfunkanbieter, Versicherungen, Strom-/Gasversorger, Patientenakten oder andere sicherheitsrelevante Zugänge.

Bewahre diese Informationen an einem geschützten Ort auf und teile sie nur mit Personen, die im Ernstfall für Dich handeln können.


Notfalltreffpunkte

Hast du mit deinen Angehörigen Notfalltreffpunkte vereinbart und wissen alle, wie diese zu erreichen sind?

Private Notfalltreffpunkte

  • Zur Vorbereitung auf außergewöhnliche Ereignisse ist es - gerade mit Kindern, die verschiedene Wege bereits alleine bewältigen - sinnvoll, Notfalltreffpunkte zu vereinbaren.
  • Was könnten für euch sichere Treffpunkte sein und wissen alle, wie sie dort hinkommen? Wissen alle auch, wie sie am schnellsten nach Hause kommen?
  • Stimme dich innerhalb der Familie aber auch mit Freunden und der Nachbarschaft über Fahrgemeinschaften für dich und deine Angehörigen ab.

Öffentliche Notfalltreffpunkte

  • In den letzten Jahren habe Kommunen verstärkt offizielle Anlaufstellen für die Bevölkerung in Krisensituationen ausgebaut.
  • Sie dienen dazu, die Menschen z. B. bei einem längeren Stromausfall mit Informationen und Hilfsangeboten zu versorgen und nachbarschaftlichen Austausch zu ermöglichen.
  • Informiere dich bei deiner Gemeinde-, Stadt- oder Kreisverwaltung über ein mögliches Angebot an deinem Wohnort.

Notfalltreffpunkte bei mehrtägiger Evakuierung

  • Zur vollständigen Vernetzung und Vorbereitung auf Notsituationen zählt auch, bereits frühzeitig darüber nachzudenken, was du machst, wenn du gemeinsam mit deinen Angehörigen euer Zuhause für mehrere Tage verlassen musst.
  • Stimme mit Verwandten oder Bekannten nach Möglichkeit einen oder mehrere Orte ab, an denen ihr im Notfall für einige Tage bleiben könnt.

Notfalltreffpunkt THW

  • Je nach örtlichen Rahmenbedingungen kann auch der THW-Ortsverband ein möglicher Treffpunkt für THW-Einsatzkräfte und ihre Angehörigen sein.
  • Um die Anforderungen an die Einsatzfähigkeit angemessen zu berücksichtigen, werden hierzu künftig Leitlinien folgen.

Informationsquellen

  1. WARN-App
    z. B. NINA 🔗zur Warnapp-Nina
  2. Etablierte Medien
    z. B. Rundfunk, Fernsehen, Tageszeitungen
  3. Behördliche Quellen
    z. B. Stadt, Landkreis, Länderbehörde, Polizei
  4. Lokal- oder Regionalsender im Radio
    bei Stromausfall evtl. Autoradio oder Kurbelradio
    Notiere dir deine Lokalradiofrequenz 🔗 Lokale Radiofrequenzen
  5. Cell Broadcast (Warnsystem)
    Achte auf die Warnmeldungen für deinen aktuellen Aufenthaltsort, die über Cell Broadcast als Textnachricht direkt auf dein Smartphone übermittelt werden.

Desinformationen

Desinformation stellt eine gezielte Gefahr dar. Sie umfasst absichtlich verbreitete falsche oder irreführende Informationen mit dem Ziel, Menschen zu täuschen, Meinungen zu manipulieren oder gesellschaftliche Prozesse zu beeinflussen. Im Gegensatz zu unbeabsichtigten Falschinformationen, die durch Irrtümer entstehen, steckt hinter Desinformation immer eine bewusste Absicht und kann zum Beispiel durch erfundene Inhalte, aus dem Zusammenhang gerissene wahre Informationen und dem Weglassen von entscheidenden Fakten erzeugt werden. Vor allem in den Sozialen Medien und in Messenger-Diensten verbreiteten sich Desinformationen rasend schnell. Umso wichtiger ist es, solche Nachrichten gar nicht erst zu teilen.
Im Extranet findest du eine 🔗 Anleitung zum Umgang mit Desinformation – SOP.

Tipps

  • Hinterfrage kritisch, statt einfach weiterzuleiten.
  • Nutze Faktenchecks.
  • Prüfe den Absender der Nachricht.
  • Vergleiche Quellen.
  • Überlege, wer ein besonderes Interesse an der Verbreitung der Information haben könnte.
  • Prüfe Bilder (z. B. durch Bilderrückwärtssuche)

Sirenensignal

Zur Warnung und Entwarnung der Bevölkerung gibt es zwei Sirenentöne, die bundesweit verbreitet sind:

Gefahrenwarnung:
Eine Minute Heulton, das heißt sechs Töne von je fünf Sekunden Dauer und mit jefünf Sekunden Pause.

Entwarnung:
Ein Dauerton von einer Minute.

Wenn du gewarnt wirst, beachte Folgendes:

  • Informiere dich über die Gefahrenlage und achte auf Durchsagen vor Ort (siehe Informationsquellen).
  • Bist du unterwegs, suche Schutz in Gebäuden.
  • Bist du zu Hause, bleibe drinnen, hole Kinder sowie schutzlose Passantinnen und Passanten ins Haus.
  • Schließe Fenster, Türen. Schalte Lüftungen, Klimaanlagen aus.
  • Notrufnummern 110/112 nicht blockieren, nur im Notfall anrufen

Informiere dich über weitere Sirenensignale in deiner Region, um Verwechslungsgefahren auszuschließen.